Die Fundamentalanalyse ist ein zentrales Werkzeug für Anleger, die den wahren Wert einer Aktie verstehen wollen. Dabei spielen Kennzahlen eine entscheidende Rolle. Sie geben Aufschluss über Ertragskraft, Bewertung, Verschuldung und Rendite eines Unternehmens.
In diesem Artikel erhältst du einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Kennzahlen, wie du sie interpretieren kannst und worauf Anleger achten sollten.
Was sind Kennzahlen in der Fundamentalanalyse?
- Definition: Finanzkennzahlen sind rechnerische Größen, die aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Cashflow-Statements abgeleitet werden.
- Zweck: Sie helfen Anlegern, Unternehmen vergleichbar zu machen und den inneren Wert einer Aktie zu bewerten.
- Arten: Bewertungskennzahlen, Profitabilitätskennzahlen, Verschuldungskennzahlen und Renditekennzahlen.
Wichtige Kennzahlen im Überblick
1. Bewertungskennzahlen
Bewertungskennzahlen helfen, einzuschätzen, ob eine Aktie teuer oder günstig ist.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
- Formel: Aktienkurs / Gewinn je Aktie (EPS).
- Bedeutung: Zeigt, wie oft der Gewinn im Kurs enthalten ist.
- Beispiel: KGV 15 bedeutet, dass Anleger das 15-Fache des Jahresgewinns zahlen.
- Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
- Formel: Aktienkurs / Buchwert je Aktie.
- Bedeutung: Bewertet den Börsenkurs im Verhältnis zum Eigenkapital.
- Faustregel: Werte < 1 deuten auf Unterbewertung hin.
- Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)
- Formel: Aktienkurs / Umsatz je Aktie.
- Bedeutung: Hilfreich bei Wachstumsunternehmen ohne Gewinn.
2. Profitabilitätskennzahlen
Sie zeigen, wie effizient ein Unternehmen arbeitet.
- Eigenkapitalrendite (ROE)
- Formel: Jahresüberschuss / Eigenkapital.
- Bedeutung: Zeigt, wie rentabel das Eigenkapital eingesetzt wird.
- Gesamtkapitalrendite (ROA)
- Formel: EBIT / Gesamtkapital.
- Bedeutung: Misst die Ertragskraft bezogen auf das gesamte Kapital.
- EBIT-Marge
- Formel: EBIT / Umsatz.
- Bedeutung: Anteil des operativen Gewinns am Umsatz.
3. Verschuldungskennzahlen
Diese Kennzahlen zeigen, wie solide ein Unternehmen finanziert ist.
- Eigenkapitalquote
- Formel: Eigenkapital / Bilanzsumme.
- Bedeutung: Hoher Wert = stabile Finanzstruktur.
- Verschuldungsgrad
- Formel: Fremdkapital / Eigenkapital.
- Bedeutung: Misst das Verhältnis von Schulden zu Eigenmitteln.
- Net Debt / EBITDA
- Bedeutung: Zeigt, wie viele Jahre ein Unternehmen benötigt, um seine Schulden mit operativem Gewinn zu tilgen.
4. Renditekennzahlen
Diese Kennzahlen sind für Anleger besonders wichtig.
- Dividendenrendite
- Formel: Dividende je Aktie / Aktienkurs.
- Bedeutung: Gibt die jährliche Ausschüttungsquote an.
- Cashflow-Rendite
- Formel: Operativer Cashflow / Aktienkurs.
- Bedeutung: Misst die Liquiditätskraft eines Unternehmens.
- Gesamtrendite (Total Return)
- Formel: Kurssteigerung + Dividende.
- Bedeutung: Gesamtertrag einer Aktie über die Haltedauer.
Chancen und Grenzen von Kennzahlen
✅ Vergleichbarkeit – Unternehmen lassen sich objektiv gegenüberstellen.
✅ Schnelle Orientierung – Anleger erkennen auf einen Blick Bewertung & Stabilität.
✅ Entscheidungsgrundlage – hilft beim Einstieg oder Ausstieg.
❌ Momentaufnahme – Kennzahlen spiegeln nur die Vergangenheit wider.
❌ Branchenspezifisch – ein „gutes“ KGV kann je nach Branche unterschiedlich sein.
❌ Manipulationsgefahr – Bilanztricks können Kennzahlen verzerren.
❌ Makro-Einflüsse – Zinsen, Inflation oder Konjunktur bleiben unberücksichtigt.
Praktische Anwendung für Anleger
- Vergleich innerhalb der Branche – KGV von Banken ist nicht mit dem von Tech-Firmen vergleichbar.
- Mehrere Kennzahlen kombinieren – nicht nur eine Zahl betrachten, sondern ein Gesamtbild.
- Langfristiger Blick – Trends über mehrere Jahre sind wichtiger als ein Einzelwert.
- Bilanzqualität prüfen – hohe Schulden können trotz guter Gewinne riskant sein.
Fazit
Kennzahlen sind das Fundament jeder Aktienanalyse. Sie helfen Anlegern, Unternehmen objektiv zu bewerten und Chancen sowie Risiken besser einzuschätzen.
👉 Wer klug investieren will, sollte Kennzahlen nicht isoliert, sondern immer im Gesamtzusammenhang mit Branche, Marktumfeld und Geschäftsmodell betrachten.
Weiterführend: Der große Aktien-Guide
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Häufige Fragen (FAQ)
Welche Kennzahlen sind am wichtigsten?
KGV, KBV, Dividendenrendite und Eigenkapitalquote gelten als Basiskennzahlen.
Kann man allein mit Kennzahlen investieren?
Nein, sie sind nur ein Werkzeug. Geschäftsmodell, Marktposition und Trends müssen einbezogen werden.
Welche Kennzahlen eignen sich für Dividendenjäger?
Dividendenrendite, Ausschüttungsquote und Cashflow.
Sind Wachstumsunternehmen an Kennzahlen erkennbar?
Ja – KUV und Umsatzwachstum sind hier oft aussagekräftiger als Gewinne.





















