Die Cashflow-Analyse ist neben Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ein zentrales Werkzeug der Fundamentalanalyse. Sie zeigt, wie viel Liquidität ein Unternehmen tatsächlich erwirtschaftet – unabhängig von bilanziellen Gewinnmanipulationen.
Während Gewinne durch Abschreibungen oder Rückstellungen „schön gerechnet“ werden können, gilt der Cashflow als ehrlicher Indikator für die Finanzkraft eines Unternehmens.
Was ist der Cashflow?
- Definition: Der Cashflow misst den Zufluss und Abfluss liquider Mittel innerhalb einer Periode.
- Bedeutung: Er zeigt, ob ein Unternehmen in der Lage ist,
- seine Rechnungen zu bezahlen,
- Investitionen zu tätigen,
- Schulden zu tilgen und
- Dividenden auszuschütten.
👉 Für Anleger ist der Cashflow oft aussagekräftiger als der Bilanzgewinn.
Arten des Cashflows
Die Kapitalflussrechnung unterscheidet drei zentrale Cashflows:
1. Operativer Cashflow (Operating Cashflow)
- Quelle: Kerngeschäft (Produktion, Dienstleistungen, Verkauf).
- Zeigt: Ob das Geschäftsmodell ausreichend Liquidität erzeugt.
- Wichtigste Kennzahl für die Bewertung der operativen Stärke.
2. Investitions-Cashflow (Investing Cashflow)
- Quelle: Käufe und Verkäufe von Vermögenswerten (Maschinen, Immobilien, Beteiligungen).
- Negativer Wert ist oft normal, wenn Unternehmen in Wachstum investieren.
- Positiver Wert entsteht, wenn Vermögenswerte verkauft werden.
3. Finanzierungs-Cashflow (Financing Cashflow)
- Quelle: Kapitalerhöhungen, Kredite, Rückzahlungen, Dividenden.
- Zeigt: Wie ein Unternehmen sich finanziert – über Fremdkapital oder Eigenkapital.
👉 Summe aller drei = Veränderung des Kassenbestands.
Wichtige Kennzahlen der Cashflow-Analyse
1. Free Cashflow (FCF)
- Formel: Operativer Cashflow – Investitionsausgaben
- Aussage: Liquidität, die nach Investitionen übrig bleibt.
- Bedeutung: Maßstab für Dividenden, Aktienrückkäufe, Schuldenabbau.
2. Cashflow-Marge
- Formel: Operativer Cashflow / Umsatz × 100
- Aussage: Effizienz des Geschäftsmodells.
- Richtwert: Je höher, desto besser (ab ~10 % solide).
3. Schuldendeckungsgrad (Net Debt / Operating Cashflow)
- Formel: Nettofinanzschulden / Operativer Cashflow
- Aussage: Wie viele Jahre ein Unternehmen benötigt, um seine Schulden mit Cashflow zu begleichen.
Chancen der Cashflow-Analyse
✅ Ehrlicher Indikator – weniger manipulierbar als Gewinne
✅ Liquiditätsprüfung – zeigt, ob genug Geld für Investitionen & Dividenden da ist
✅ Krisenresistenz – stabile Cashflows sichern Überleben in Rezessionen
✅ Ausschüttungspotenzial – Grundlage für Dividendenstrategie
Grenzen der Cashflow-Analyse
❌ Vergangenheitsbezogen – keine Garantie für künftige Cashflows
❌ Branchenspezifische Unterschiede – Kapitalintensive Branchen (z. B. Energie, Industrie) haben andere Werte als Softwareunternehmen
❌ Interpretationsspielraum – negativer Investitions-Cashflow kann schlecht oder gut sein (je nach Wachstumsstrategie)
Anwendung für Anleger
- Operativen Cashflow prüfen – reicht das Kerngeschäft für die Finanzierung aus?
- Free Cashflow vergleichen – stabile oder wachsende FCFs sind positiv.
- Dividendenfähigkeit ableiten – nachhaltige Ausschüttungen sind nur aus Cashflows möglich.
- Trend über mehrere Jahre – steigende Cashflows deuten auf solide Geschäftsentwicklung hin.
Fazit
Die Cashflow-Analyse ist ein unverzichtbares Instrument in der Fundamentalanalyse. Sie zeigt, wie gesund die Liquiditätslage eines Unternehmens ist – und ob Gewinne tatsächlich „in der Kasse“ ankommen.
👉 Für Anleger ist der Cashflow oft aussagekräftiger als der Gewinn, weil er weniger manipulierbar und näher an der Realität ist.
Weiterführend: Der große Aktien-Guide
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Häufige Fragen (FAQ)
Warum ist der Cashflow wichtiger als der Gewinn?
Weil er die tatsächliche Liquidität zeigt und weniger von Bilanztricks beeinflusst wird.
Was bedeutet ein negativer Free Cashflow?
Er kann auf hohe Investitionen hindeuten (positiv bei Wachstum) oder auf Liquiditätsprobleme (negativ).
Welche Kennzahl ist am wichtigsten?
Der Free Cashflow gilt als zentrale Kennzahl für Aktionäre.





















